Was hier geschah
Das Haus wurde ab den 1620er-Jahren für Sir Roger Townshend gebaut. Anfang des 18. Jahrhunderts lebten hier Charles, 2. Viscount Townshend – der Staatsmann, der als „Turnip Townshend“ für seine Förderung der Fruchtwechselwirtschaft in Erinnerung blieb –, und seine zweite Frau, Dorothy Walpole, Schwester von Robert Walpole, Großbritanniens erstem Premierminister.
Dorothy starb 1726 in Raynham, den Akten zufolge an Pocken. Gerüchte besagten anderes: Ihr Mann habe von einer früheren Affäre erfahren und sie bis zu ihrem Tod in ihren Räumen eingesperrt.
Die Legenden
Dorothy soll die Braune Dame sein, eine Gestalt in einem braunen Brokatkleid, die auf der Haupttreppe gesehen wird. In den 1830er-Jahren soll der Romancier und Kapitän Frederick Marryat, ein Gast im Haus, ihr in einem Flur begegnet sein – eine Lampe in der Hand, ihn angrinsend – und mit seiner Pistole auf sie geschossen haben; die Kugel fand man in einer Tür hinter der Stelle, an der sie gestanden hatte.
Im September 1936 fotografierten Hubert Provand und Indre Shira das Haus für die Zeitschrift Country Life. Shira sagte, er habe eine dunstige Gestalt die Treppe herunterkommen sehen, und das veröffentlichte Foto zeigt eine verschleierte, leuchtende Form auf den Stufen.
Wahrheit oder Legende?
Das Foto ist echt – doch Skeptiker argumentieren seit 1936, es handle sich um eine Doppelbelichtung oder einen Lichteffekt, und niemand hat die Frage entschieden. Die Geschichte von Dorothys Gefangenschaft stammt aus Klatsch, nicht aus Akten, und die Anekdote über Marryat schrieb seine Tochter Jahrzehnte später nieder.
Besuch
Raynham Hall ist ein privates Familienanwesen und selten öffentlich zugänglich; gelegentlich wurden Gruppenbesuche nach Vereinbarung ermöglicht. Das berühmte Foto ist vielfach abgedruckt.